Das stille Risiko im Chemiebetrieb – und der einfache Weg, es zu beseitigen

In ganz Europa und weltweit basieren chemische Anlagen auf Präzision. Jede Ventilstellung, jede Leitungsführung und jede Sicherheitsvorrichtung muss genau den Unterlagen entsprechen, denn in dieser Branche kann schon die kleinste Abweichung kostspielige oder sogar gefährliche Folgen haben.

Doch in vielen Anlagen wächst unbemerkt ein stilles Risiko: die langsame Abweichung zwischen dem, was auf dem Papier steht, und dem, was vor Ort vorfindet. Es sorgt erst dann für Schlagzeilen, wenn etwas schiefgeht, doch bis dahin hat es bereits zu Verzögerungen, unerwarteten Kosten, kurzfristigen Betriebsänderungen oder, schlimmer noch, zu Sicherheitsvorfällen geführt.

Dieses Problem betrifft nicht nur eine Anlage, ein Unternehmen oder gar ein Land. Es ist eine branchenweite Herausforderung. Die gute Nachricht? Mit dem richtigen Ansatz lässt sich dieses Risiko vollständig vermeiden.

Chemical plant revamping
Chemical plant revamping
Wie es zu Datenabweichungen kommt und warum sie ohne die richtigen Werkzeuge unvermeidlich sind

Eine Anlage ist nie wirklich „fertig“. Anlagenkomponenten werden ausgetauscht, neue Leitungen verlegt, Absperrstellen hinzugefügt und ständig kleine Änderungen vorgenommen. Diese Änderungen sind oft dringend oder Teil sehr großer, unternehmensübergreifender Modernisierungsprojekte, die aus Sicherheits-, Produktions- oder Betriebsgründen durchgeführt werden, und die Aktualisierung der Dokumentation hält nicht immer Schritt.

Im Laufe der Zeit summieren sich die Unterschiede zwischen der „offiziellen“ Version der Anlage und ihrem tatsächlichen Zustand. Ingenieure arbeiten möglicherweise mit veralteten P&IDs. Wartungsteams verlassen sich vielleicht auf ihr Gedächtnis statt auf verifizierte Diagramme. Projektteams beginnen möglicherweise mit ungenauen Layouts, um dann erst mitten im Turnaround die Wahrheit zu entdecken.

Hinzu kommt, dass kritische Daten oft über mehrere Systeme verteilt sind – CAD-Zeichnungen, gescannte P&IDs, CMMS, EAM –, die jeweils von verschiedenen Personen zu unterschiedlichen Zeitpunkten aktualisiert werden, wodurch sich die Diskrepanz weiter vergrößert.

Die realen Auswirkungen von Dateninkonsistenzen

In einem sicherheitskritischen Sektor wie der chemischen Industrie können selbst geringfügige Abweichungen unverhältnismäßige Auswirkungen haben:

  • Sicherheitsrisiken: Auf der Grundlage veralteter Diagramme ausgestellte Arbeitsgenehmigungen können zu Zwischenfällen führen.
  • Kostenüberschreitungen: Nacharbeiten während Stillstandszeiten, wenn der Plan nicht mit der Realität übereinstimmt.
  • Projektverzögerungen: Teams müssen ihre Arbeit unterbrechen und die Bedingungen vor Ort überprüfen, bevor sie fortfahren können.
  • Produktivitätsverluste: Stunden, die mit der Abstimmung von Unstimmigkeiten verbracht werden, anstatt die Arbeit auszuführen.

Nach unserer Erfahrung und basierend auf Branchenanalysen, wonach bis zur Hälfte aller Verzögerungen bei Turnarounds auf mangelhafte Kommunikation und veraltete Daten zurückzuführen sind, ist es realistisch anzunehmen, dass über 30 % der Verzögerungen auf veraltete Dokumentation zurückzuführen sind.

Petrochemical plant turnaround
Petrochemical plant turnaround
Ein dynamischer Überblick über die Anlage

Viele Unternehmen haben in „digitale Zwillinge“ investiert – virtuelle Nachbildungen ihrer Anlagen. Doch ohne kontinuierliche Aktualisierungen wird ein digitaler Zwilling schnell zu einer weiteren veralteten Datei. 

Was Anlagen wirklich brauchen, ist eine lebendige Darstellung ihres Standorts, die mit der Realität synchronisiert ist und für alle zugänglich ist – vom Kontrollraum-Bediener bis hin zu externen Auftragnehmern.

Hier kommt Shared Reality ins Spiel. Es handelt sich um einen visuellen, intuitiven Arbeitsbereich, der 3D-Scans, Prozessdiagramme und Anlagendatenbanken an einem Ort vereint und sich leicht an die reale Welt anpassen lässt. Das Ziel ist einfach: eine einzige Quelle der Wahrheit, der jeder vertrauen kann.

Es ist wichtig zu beachten, dass Shared Reality bestehende Tools wie CMMS oder vorausschauende Instandhaltungssysteme nicht ersetzt, sondern mit ihnen verbunden ist und so eine verifizierte, visuelle Grundlage schafft, der alle Teams systemübergreifend vertrauen können.

Praktische Auswirkungen für den chemischen Betrieb

In Chemieanlagen, wo Prozesse komplex und Sicherheitsmargen knapp sind, kann die Kombination von 3D-Realitätsmodellen mit Prozessdiagrammen dazu beitragen, bestimmte Gefahren leichter zu erkennen, bevor jemand das Gelände betritt. Enge Abstände, riskante Anlagenseparierungen oder beengte Räume lassen sich virtuell identifizieren, wodurch die Arbeit effizienter und sicherer geplant werden kann.

Für Turnaround-Projekte bedeutet dies weniger Überraschungen vor Ort und kürzere Vorbereitungszeiten. Für die Einarbeitung von Auftragnehmern bedeutet es eine schnellere Einarbeitung in die Anlagenlayouts. Da Shared Reality über eine sehr intuitive Benutzeroberfläche verfügt und sich in bestehende CMMS-, EAM- und Dokumentensysteme integrieren lässt, erfolgt die Einführung schnell – in Wochen statt in Jahren.

Die Auswirkungen auf die Mitarbeiter – Teams, die dieselbe Realität sehen

Über die technischen Effizienzgewinne hinaus findet ein kultureller Wandel statt, wenn alle Mitarbeiter einer Anlage auf der Grundlage derselben, verifizierten Ansicht arbeiten. Streitigkeiten darüber, „welche Version die richtige ist“, verschwinden. Das Vertrauen zwischen den Abteilungen wächst. Entscheidungen werden schneller getroffen, da alle dasselbe Bild vor Augen haben.

Wenn physische und digitale Realität übereinstimmen, verbessert sich die Kommunikation, die Sicherheit wird gestärkt und die betriebliche Widerstandsfähigkeit wächst.

Resilienz in einer sich wandelnden Branche aufbauen

Die chemische Industrie steht unter zunehmendem Druck durch EU-Sicherheitsvorschriften, Anforderungen an die Einhaltung von Umweltvorschriften und Effizienzanforderungen. Die vollständige Abstimmung der Anlagendaten dient nicht nur der Vermeidung von Problemen, sondern auch der Sicherung der Zukunft.

Genaue, gemeinsam genutzte Daten erleichtern die Umsetzung von Nachhaltigkeitsmaßnahmen, die Einführung von Automatisierung und die Integration fortschrittlicher Systeme. Sie verwandeln jedes Verbesserungsprojekt von einem riskanten Sprung in einen kalkulierten Schritt.

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